Euro der O-Jollen – 2018 auf dem Dümmer: ein Bericht

Vom 29.04. – 04.05.2018 fand der Eurocup auf dem Dümmer statt.

Warum so früh im Jahr?

Weil die ausrichtende Seglerveinigung Hüde (SVH) faire Wettfahrten bei voraussichtlich besten Bedingungen durchführen wollte. Flachseen und insbesondere der Dümmer hat mit stark
wechselnden Umweltbedingungen zu tun, die zeitweise das Segeln einschränken können. Im
Frühjahr ist aber alles in Ordnung und so war es auch während der Meisterschaft: guter
Wasserstand, gute Wasserqualität und die kleinen sechsbeinigen Tierchen frühjahrsschliefen noch. Also, der frühe Termin war die erste richtige Entscheidung!

Und die Meldezahlen stimmten auch.
Bei 64 Meldungen wagten sich 58 O-Jollen an den Start.

Regattaleiter Thomas Gothe begrüßte uns am Sonntagabend im extra aufgestellten Zelt. Er stellte das Programm und den Ablauf vor. Geplant waren bis zu 9 Wettfahrten bis Donnerstag. Gleich am ersten Wettfahrttag wollte er mit uns 3, evtl. sogar 4 Wettfahrten segeln. Wir hörten und stau(öh)nten.
Bevor er uns zum Gratis-Bufett und Freibier entließ, nahmen wir im Hafen Aufstellung zum
Gruppenerinnerungsfoto.

Tag1:
5 – 6 Beaufort aus SW. Da ging es mit Volldampf aus dem Hafen raumschots zur Nordseite. Nicht alle wagten sich hinaus und einige Erfahrene blieben wohlweislich an Land. Ich bin einer von
denen, die recht spät zur Wettfahrt hinaus fahren. Und so sah ich vor mir schon den einen oder
anderen auf der Seite liegen. Ui, ui, ui – das wird hart. Unser Präsi Jörn Cordbalag hatte sein Boot am Startboot festgemacht. Was ist das denn? Später erfuhr ich, dass er auf ein Rettungsboot
umgestiegen war, um dem gekenterten und geschwächten Volker Grützner, GER 1370, zu helfen. Jörn, du bist ein Vorbild!!!

Kurz darauf riss mein Vorliekstrecker. Kein Wunder, wenn man nur einen „Bindfaden“ verwendet. Zum Glück hatte ich Ersatz an Bord, aber das Einfädeln gestaltete sich unter den Bedingungen schwierig. Das Startsignal nur um einige Sekunden verpasst, segelte ich den anderen hinterher und legte gleich auf Steuerbord um. Hier hatte ich freien Wind. Und jetzt hieß es: hängen, hängen,
hängen, Wende: Hängen, hängen, hängen. An Tonne 1 kam ich als sechster an. Nun Raumschotflug Richtung Tonne 2. Jörg Legien, ca. 50 m vor mir, entschied sich für eine Kuhwende. Links und leicht hinter mir die nächsten drei und dann das Feld. Theoretisch weiß ich, wie das mit der Halse geht: Volle Fahrt, Niederholer und Wanten nicht zu dicht, durch den achterlichen Wind und weiter bis das Segel rüberkommt. Das ganz ohne sich den Kopf rasieren zu lassen und sofort das Boot
stabilisieren. Was soll ich sagen? Hat weitgehend geklappt. Jedenfalls flog „Harry Ab“ in Rtg.
Tonne 3 und irgendwann erreichte mein Körper auch wieder das Deck. Rechtzeitig genug, um auf die Kreuz zu gehen. Hängen bis Tonne 1! Platt vorm Wind wieder runter. Nicht mit mir. Lieber zweimal raumschots. Das hat super funktioniert. Und als wir wieder oben an Tonne 1 waren, hing da Bahnverkürzung, und wir konnten ins Ziel. Gleichzeitig schickte uns der Regattaleiter in den Hafen.
Eine gute Entscheidung!

Nur 32 O-Jollen konnten die Wettfahrt durchsegeln, davon 4 mit ocs.
Weitere Wettfahrten hätten die Teilnehmerzahl zum Leidwesen aller auf
Schwerpunktwettfahrtniveau reduziert.
Nachmittags waren Reparatur und Ersazbeschaffung angesagt, abends Tombola, Freibier und
Grillen.

Tag2:
Noch mehr Wind, kühl und grau. Keine Wettfahrt, aber Tombola und Freibier.

Tag 3:
Sonnenschein, 3-4 Beaufort aus S und SO, tagsüber leicht abnehmend.
4 Wettfahrten wurden geplant und durchgeführt.

Bei solchen Bedingungen macht segeln Spaß! Und es ist einfach. Wirklich?
Mit dem Auslegen eines sauberen Kurses begann für den Regattaleiter die erste Schwierigkeit. Der Wind pendelte. Mit Geduld und beständiger Kontrolle wurde ein fairer Up-and-down-Kurs
ausgelegt.
Und wir legten erstmal einen Frühstart hin.
Da weiß sich ein erfahrener Ragattaleiter zu helfen. Flagge U!
Auf den pendelnden Wind habe ich schon hingewiesen. Nun kam aber noch eine gewisse
Inkonstanz hinzu. Böen, auch länger andauernde, gab es immer wieder. Und wer alles richtig
machte, fuhr von Böe zu Böe, wendete zur nächsten und war vorne.
Harry Voss, am Vortag Platz 3 und jetzt den 1. Der legt ja los! Und dann Platz 5.
Der ist vorne dabei. Aber am besten machte es Thies Bosch. Am Vortag noch auf Platz 13, segelte er nun 3, 1, 3, 1. Und Jan Willem van den Hondel und Ton op de Weegh waren ihnen auf den Fersen. Für den Abend hatte die SVH wieder prima vorgesorgt. Freibier mit Leckerem vom Grill. Auch die Kultur kam nicht zu kurz. Ein Besuch im Kultkino von Quernheim. Da ist alles wie früher. Und Quernheim rühmt sich als kleinster Ort Deutschlands mit einem eigenen Kino.

Tag 4:
2 -3 Beaufort aus NW, im Laufe des Tages abflauend, waren angesagt. Die 6. Wettfahrt wurde aber zu einem mäßig fairen Wettbewerb. Anfangs lief noch alles im vertretbaren Rahmen. Aber auf der Zielkreuz wurde kräftig überholt. Links ging der Wind weg, rechts auch, aber hier kam neuer mit
einem ordentlichen Dreher. Schwupps hatte man 20 Konkurrenten in Lee im Fenster und steuerte frohgemut gen Ziel. Wenigsten haben die Davoneilenden nicht gewinkt. Und bevor die letzten
Boote die Ziellinie erreichten, schlief der Wind fast gänzlich ein.
Der Wettfahrtleiter machte noch einen Startversuch zur 7. Wettfahrt. Dann schickte er uns in den Hafen.

Das war`s. Nein noch nicht. Thies Bosch wurde schon am Nachmittag gefeiert. Harry Voss bekam das Strahlen nicht mehr aus dem Gesicht. Er war zweiter. Ebenso freute sich Wim Bijlsma über
Platz drei.

Vor der Meisterehrung wieder Tombola. Und was soll man sagen. Der Hauptpreis, ein stattlicher Rabatt auf ein neues Segel, ging an: Thies Bosch. The winner takes it all! Herzlichen Glückwunsch! Und nachdem alle gut gespeist haben, lud die Band mit fetziger Musik zum Feiern und Tanzen ein. Zum Schluss möchte ich sagen. Es war ein fröhlicher, rundum gelungener Eurocup. Dank an den Regattaleiter Thomas Gothe, der das Beste aus den Bedingungen herausgeholt hat. Dank an die SVH, die mit einer großen Mannschaft für die perfekte Ausrichtung gesorgt hat. Dank an die
Küche, die uns so schmackhaft versorgte.

GER 1454 – Harry Ab

Ergebnisse der Veranstaltung

Bilder der Veranstaltung

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