ORC-Gesamtsieg beim blueribboncup auf der Dehler 30 OD Joint Venture

Ein Bericht von Lina Rixgens.

Einen Monat vor dem Start zu meiner zweiten Mini Transat nahm ich nochmal ein paar Tage Urlaub vom Mini-Segeln – und zwar beim Dehler 30 OD segeln. An Bord von Uwe Barthels Joint Venture konnte ich in der Vierer-Crew mit Uwe, Sverre Reinke und Dirk Sundermann meine erste richtige Erfahrung in dieser One Design Klasse sammeln. Vor uns und den 18 gemeldeten Booten in ORC I und II lag ein interessanter Kurs in zwei Etappen von Kiel nach Kopenhagen und zurück. Am 18. August um 17:00 Uhr ging es los von Düsternbrook aus im Uhrzeigersinn um Seeland herum nach Tuborg Havn vor den Toren der dänischen Hauptstadt.

Unser Auftakt in die flotte und windige 185sm lange Hinetappe war mit einem Start unter A5 in der Kieler Innenförde spektakulär und ab Laboe super schnell. Mit 14kn Durchschnittsgeschwindigkeit und einem Topspeed von 19,8kn rasten wir bei 28-33kn Wind und 1,5-2m Welle Richtung Langeland. Das Wasser spritzte an beiden Seiten, nach einer halben Stunde waren wir alle durchnässt und die ein oder andere vom Bug durchlaufende Welle versetzte uns im Cockpit einen halben Meter nach hinten. Die anderen Boote waren konservativer gestartet und waren schon auf Höhe des Kieler Leuchtturms nur noch am Horizont zu sehen. Als kleinstes Boot im Feld erreichten wir als erste die Südspitze Langelands – Wahnsinn!

Als das Lasching des Gennakerschotblocks riss und sich die Schoten vertörnten, mussten wir den A5 etwas früher als geplant bergen. Die Welle wurde östlich von Langeland langsam etwas kleiner und unter Fock und Groß segelten wir in die Nacht. Aufatmen nach diesem rasanten Ritt und Zeit sich nach und nach einmal schlafen zu legen. Die ersten großen Boote überholten uns und bei 3kn (!) Gegenstrom passierten wir kurz nach Mitternacht die Große Belt Brücke. Die zweite Nachthälfte war dunkel und mit Regenschauern und Böen gespickt, der Kurs wurde spitzer und damit ungemütlicher und langsamer. Im Morgengrauen auf Höhe von Samsø konnten wir etwas abfallen und gingen wieder in den Speed-Mode über, diesmal mit Code 0. Die Bootsgeschwindigkeit ging wieder hoch auf 13-17kn und bis zum Leuchtturm Sjællands Odde hieß es Festhalten und Boote überholen.

Von der konfusen 2m hohen Kreuzwelle stark beeindruckt, fielen wir pünktlich zum Sonnenaufgang ab und machten uns auf in den VMG downwind bis nach Helsingør. Kurz vor Passieren des Schlosses wurden wir wie zur Belohnung noch kurz von Tümmlern begleitet – und leider auch von der sich schnell nähernden J111 „Piranha“, die 5 Minuten vor uns die Ziellinie vor Rungsted passierte. Als zweites Boot unserer ORC II Gruppe und 5. Boot overall überquerten wir müde, aber zufrieden mit unserer Performance nach knapp 21 Stunden die Linie. Berechnet ersegelten wir ebenfalls den zweiten Platz nach der JPK 10.30 „Hinden“.

Durch die schnelle Hintour hatten wir fast zwei Tage in Kopenhagen und somit genug Zeit, um die kleinen Baustellen an Bord zu beseitigen, alles zu trocknen und ein paar Stunden in der Stadt zu verbringen. Die Organisatoren hatten ein gemütliches Sailors Dinner im benachbarten Hellerup Sejlklub auf die Beine gestellt und so gingen wir am 21. August um 10:00 Uhr morgens relativ ausgeruht und topmotiviert in die 140sm lange Rücketappe

Sie wurde anfangs zum absoluten Kontrastprogramm verglichen mit der Hinetappe: Bei 8kn Wind und einem Sonne-Wolken-Mix gelang uns ein guter Start unter A2, den wir anders als viele andere Boote selbst bei anspitzendem Kurs noch halten konnten. Somit fuhren wir erneut als erstes Boot in Richtung Süden an Kopenhagen vorbei. Anders als angesagt flaute der Wind bereits am Nachmittag ab, da Thermik und Gradientwind gegeneinander standen. Unter Code 0 gelang es uns aber die ganze Zeit etwas Fahrt im Boot zu behalten. Auch die Windrichtung passte nicht zur Vorhersage. Statt mit Westwind kreuzten wir bei Südwind bis nach Møn. Durch gutes Ausfahren der Dreher und sicherlich auch eine ordentliche Portion Glück fuhren wir immer mehr Abstand zu den anderen Booten unserer Gruppe heraus, lediglich drei 10-20 Fuß längere Boote lagen vor uns. Pünktlich zum stimmungsvollen Sonnenuntergang vor der Kulisse der weißen Steilfelsen Møns war der Westwind wieder mit etwa 10kn da und wir machten Am Wind Strecke nach Süden gut. Die Nacht bot allerfeinstes Segeln bei Vollmond, tollem Sternenhimmel und leichtem Wind. Als der Wind anfing zu raumen, vergrößerten wir unter Code 0 den Abstand zu den anderen Booten, bis die meisten vom AIS verschwanden. Kurz bevor es hell wurde ging auf Höhe von Gedser der A2 hoch und der Wind nahm langsam, aber stetig bis auf 22kn zu. Nun hieß es Vorm Wind kreuzen an Fehmarn vorbei. Der Endspurt ließ sich an Bord spüren, jede kleine Welle wurde mitgenommen und wir surften mit 10-14kn Speed bis zum Kieler Leuchtturm. Die dortige Ziellinie überquerten wir als erstes Boot unserer Gruppe, was uns erneut den 2. Platz berechnet einbrachte, diesmal nach der X-362 Sport „Static Electric“. Und das i-Tüpfelchen nach dieser spannenden Regatta war mit zwei zweiten Plätzen der ORC-Gesamtsieg über beide Gruppen!

Vielen Dank an den Kieler Yacht Club und den Kongelig Dansk Yachtklub für die Organisation der Veranstaltung und danke an Uwe, dass ich die ersten Regattameilen auf diesem Bootstyp sammeln konnte!

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1 Kommentar zu „ORC-Gesamtsieg beim blueribboncup auf der Dehler 30 OD Joint Venture“

  1. Claudia Barthel

    Interressanter und lesenswerter Bericht mit sehr beeindruckenden Bildern
    Vielen Dank!

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